Chemie2. Juli 2026

Was ein Katalysator wirklich tut

Er beschleunigt eine Reaktion, ohne sich zu verbrauchen. Der Trick liegt nicht in der Energie, sondern im Weg.

Ein häufiges Missverständnis: Ein Katalysator gibt der Reaktion einen Schubs, liefert also Energie. Tut er nicht. Er ändert nur die Route.

Der Berg dazwischen

Damit zwei Stoffe reagieren, müssen alte Bindungen aufbrechen, bevor neue entstehen. Dieses Aufbrechen kostet Energie — die Aktivierungsenergie. Stell sie dir als Bergrücken zwischen zwei Tälern vor. Das Zieltal liegt tiefer, die Reaktion würde also Energie freisetzen. Aber ohne genug Anlauf kommt kein Teilchen über den Kamm.

Was der Katalysator ändert

Er bietet einen Pass an — einen niedrigeren Weg über den Berg. Meist, indem er die Teilchen an sich bindet und dabei so verdreht, dass die entscheidende Bindung schon geschwächt ist.

Zwei Dinge bleiben dabei unangetastet:

  • Anfang und Ende. Beide Täler liegen genau so hoch wie vorher. Ein Katalysator verändert nicht, wie viel Energie insgesamt frei wird.
  • Das Gleichgewicht. Er beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Die Reaktion kommt also schneller dort an, wo sie sowieso hingekommen wäre — nicht weiter.

Das ist der Grund, warum ein Katalysator nie eine Reaktion ermöglicht, die von sich aus nicht laufen würde.

Und warum verbraucht er sich nicht?

Weil er am Ende jedes Durchlaufs unverändert dasteht. Er bindet die Ausgangsstoffe, hilft beim Umbau, lässt das Produkt los — und ist wieder frei für das nächste Teilchenpaar. Ein einzelnes Platinatom im Autokatalysator macht das millionenfach.

Kaputt geht er trotzdem irgendwann, aber durch etwas anderes: Fremdstoffe besetzen die Bindungsstellen dauerhaft. Das nennt man Katalysatorgift, und deshalb darf ein Auto mit Kat kein verbleites Benzin tanken.


Beispielbeitrag — behalten, umschreiben oder löschen.

← Alle Beiträge